Klimabedingte Migration und humanitäre Hilfe

Ein virtuelles Podiumsgespräch

26. Oktober um 19:30

Wir von ShelterBox als NGO im Bereich der Katastrophenhilfe stellen in unserer tagtäglichen Arbeit zunehmend fest, wie schwerwiegend die humanitären Auswirkungen des Klimawandels sind. Die Menschen, die am wenigsten zu der Klimakrise beigetragen haben, leiden am meisten unter den immer häufiger werdenden extremen Wetterereignissen.

In Indien werden die Menschen durch die zunehmende Intensität der Monsunregenfälle förmlich aus ihren Häusern gespült. Die atlantische Hurrikansaison schlägt Jahr um Jahr traurige Rekorde. Das Sterben des Tschadsees bedroht die Lebensgrundlage in der gesamten Region. Der Einbruch von landwirtschaftlichen Erträgen führt zu Armut.  Extreme Wetterereignisse führen daher zum einen zum Verlust von Häusern sowie Ernten, zum anderen jedoch auf lange Sicht zu Migration und Flucht.

Neben Überschwemmungen stellen Dürren eine enorme Herausforderung dar. In unseren Augen ist zu wenigen Menschen bewusst, wie die Klimakrise im Zusammenhang mit Migration steht. Dennoch sind wir von ShelterBox davon überzeugt, dass Unwetter und Dürren Gewalt und gar Konflikte begünstigen.

Der Konflikt in der mosambikanischen Region Cabo Delgado verdeutlicht beispielsweise, dass Menschen, die ihre Ernte verlieren, die aufgrund von Dürre ihr Vieh nicht mehr ernähren können oder die aufgrund von Wassermangel ihre Heimat verlassen müssen, zusätzlich von extremer Armut bedroht sind.

Der Tschadsee ist in den letzten 60 Jahren um 90% geschrumpft (National Geographic 2017). In der Tschadseeregion werden die Ressourcen des Sees zur persönlichen Nutzung und zur Bewässerung genutzt.

 

Durch die Desertifikation, den schrumpfenden Fischbestand und die Verschmutzung durch die Reinigung vom Hab und Gut der Geflüchteten, wird der See mittelfristig zur Gesundheitsgefahr und langfristig austrocknen. Diese Perspektivlosigkeit bietet auch hier einen idealen Nährboden für extremistische Gruppierungen.

Eine Studie zum Zusammenhang von Klimawandel und bewaffneten Konflikten unter Leitung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung  (2016) kommt zu dem Ergebnis, dass bereits zwischen 1980 und 2010 knapp ein Viertel der Ausbrüche bewaffneter Konflikte in Ländern mit großer ethnischer Diversität mit klimabedingten Katastrophen zusammenfiel. Dieses Ergebnis spiegelt sich in der Realität wider, da die schreckliche Gewalt von Boko Haram aktuell zu massiven Vertreibungen im Tschadbecken führt. ShelterBox ist seit Jahren in der Region im Einsatz, der Bedarf an humanitäre Hilfe ist immens.

Mit der Podiumsdiskussion wollen wir erreichen, dass Sie die Hintergründe klimabedingter Migration besser nachvollziehen können. Deshalb werden aus unterschiedlichen Fachrichtungen interessante Persönlichkeiten Fragen zu dem Thema beantworten. Wir laden Sie herzlich ein, unser virtuelles Podiumsgespräch am 26. Oktober um 19:30, als Gast mit zu verfolgen.
 

 
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Unsere Podiumsgäste


Prof. Dr. Silja Klepp


Frau Prof. Dr. Klepp lehrt seit 2017 am Institut für Geographie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Dort leitete sie ebenfalls die Arbeitsgruppe ,,Soziale Dynamiken in Küsten- und Meeresgebieten“. Zuvor forschte die Professorin im Rahmen ihrer Post-Doc Stelle am Forschungszentrum Nachhaltigkeit der Universität Bremen  an einem eigenen Projekt, das sich dem Thema der Rechte und Ressourcen für Umweltmigranten:innen im Pazifikraum widmete. Ihr Arbeitsschwerpunkt liegt auf der Beziehung zwischen Mensch und Umwelt sowie auf Fragen der Klimawandel-Migration und Klimawandelanpassung. Diesen Fragen ging sie ebenfalls vor Ort während Forschungsaufenthalten in der Pazifikregion u. a. auf Vanuatu und in Fidschi nach.

Prof. Dr. Timo Ulrichs


Prof. Dr. Timo Ulrichs studierte Medizin in Marburg und Berlin und forschte im Laufe seiner Ausbildung an verschiedenen Standorten im Ausland u. a. in Südafrika und den USA. Derzeit hat er die Professur für internationale Not- und Katastrophenhilfe an der Akkon Hochschule für Humanwissenschaften in Berlin inne. Zu seinen lehrenden Fächern gehören Global Health und Internationaler Katastrophenschutz. Professor Ulrichs Expertise in der Infektionsepidemiologie macht ihn seit Beginn der Coronapandemie zu einem gefragten Experten und Interviewpartner rund um dieses Thema. Ein weiterer großer Forschungsschwerpunkt seiner Arbeit liegt an der Schnittstelle zwischen Klimawandel und Gesundheit sowie Gesundheit in Entwicklungsländern.

Dr. Kira Vinke


Dr. Kira Vinke ist Leiterin des neu gegründeten Zentrums für Klima und Außenpolitik bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP). Sie ist außerdem Ko-Vorsitzende des Beirats der Bundesregierung Zivile Krisenprävention und Friedensförderung  und als Wissenschaftlerin am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) tätig. Dort leitete sie vor ihrem Wechsel zur DGAP das Projekt East Africa Peru India Climate Capacities (EPICC). Bis 2018 war Kira Vinke wissenschaftliche Referentin des PIK-Direktors. In dieser Funktion arbeitete sie von 2014-2016 als Referentin für den Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU). Ihre Expertise stellte sie als Beraterin für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und die Asiatische Entwicklungsbank zur Verfügung. Dr. Vinke promovierte zum Thema Klima und Migration an der Humboldt Universität zu Berlin und forschte unter anderem in Südasien und der Sahelzone.

© Kira Vinke

Sanj Srikanthan


Sanj Srikanthan ist seit 2019 CEO des ShelterBox Trusts in Großbritannien. Zuvor war er knapp 10 Jahre als Vizepräsident und Vorsitzender beim International Rescue Committee (IRC) tätig. Auch für die Vereinten Nationen war Herr Srikanthan tätig und unterstütze dort das Amt zur Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (UN OCHA) . Während seiner verschiedenen Stellen arbeitete Herr Srikanthan in den von Konflikten betroffenen Regionen selbst auf dem Feld der humanitären Hilfe. Er leitete Einsätze in Mali, Syrien, Liberia, dem Libanon und der Türkei. Innerhalb verschiedener Formate – sei es als Politikexperte in den Medien oder als Menschenrechtsaktivist in den Straßen von London – lenkte er immer wieder Aufmerksamkeit auf die Vertreibung von Menschen aufgrund politischer Konflikte.

Barbara Dombrowski


Barbara Dombrowski ist als Fotografin und Künstlerin u. a. für namhafte Magazine und Hilfsorganisationen tätig. Sie arbeitete an einem Foto-Kunstprojekt, für das sie fünf Kontinente bereiste, um dort in besonders vom Klimawandel betroffenen Gebieten mit den Bewohner:innen zu sprechen und ihre Geschichten festzuhalten. Die Portraits verarbeitete sie in der bekannten Ausstellung Tropic Ice . In Folge ihrer ausführlichen Auseinandersetzung mit dem Thema der Visualisierung des Klimawandels, hielt sie zahlreiche Vorträge, etwa an der Universität Salzburg oder bei der Klimaclusterkonferenz in Berlin. Im Rahmen einer Kooperation mit dem Klimaexzellenzcluster ,,Future Ocean“ der Universität Kiel arbeitete sie in Kiribati zu dem Thema Klimawandelanpassung, Klimamigration und Klimagerechtigkeit in Ozeanien.

Axel Bojanowski


Durch den Abend moderieren wird der Wissenschaftsjournalist Axel Bojanowski, der seit August 2020 Chefreporter bei WELT ist. Er hat sich besonders mit seinen Spezialthemen Klima, Umwelt, Geoforschung und Meereskunde profiliert; seit langem begleitet er auch die Klimapolitik, insbesondere die UN-Klimakonferenz.

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